Expertenrat vom Gartensachverständigen - 17.04.2012

 

Von Friedhold Lippmann

Der Gartenfachberater des Verbandes Wohneigentum Sachsen e.V. Steffen Stein konnte am 17.04.2012 zu seinem Vortrag 20 wissbegierige Siedlerinnen und Siedler begrüßen. Zunächst informierte er über neue gesetzliche Regelungen im Pflanzenschutz. Am 14. Februar 2012 trat das neue Pflanzenschutzgesetz (PflSchG) mit den folgenden wesentlichen Inhalten in Kraft:

 

Sachkunde
Berufliche Anwender, Berater und Händler inkl. Internethändler müssen über einen Sachkundenachweis (SKN) verfügen. Die Sachkunde ist alle drei Jahre in anerkannten Veranstaltungen aufzufrischen.

Aufzeichnungspflicht
Aufzeichnungen sind mind. drei Jahre, gerechnet ab Jahresende, aufzubewahren, d.h. die 2012 durchgeführten Behandlungen bis zum 31.12.2015. Zu dokumentieren sind:

  • Name des Anwenders
  • behandelte Fläche
  • Zeitpunkt der Anwendung
  • Bezeichnung des Pflanzenschutzmittels
  • Aufwandmenge
  • Kultur.

Aufbrauchfristen
Hinsichtlich der Aufbrauchfristen nach dem Ende der Zulassung ergeben sich praxisrelevante Änderungen. Als Neuerung der EU-Verordnung (Artikel 46) gibt es eine Abverkaufsfrist von sechs Monaten für Produkte, deren Zulassungen nach dem 14.06.2011 enden. Die Aufbrauchfrist beträgt nur noch 18 Monate und schließt die halbjährige Abverkaufsfrist ein.

Beseitigungspflicht
Pflanzenschutzmittel, deren Anwendung verboten bzw. deren Aufbrauchfrist abgelaufen ist, sind unverzüglich nach den Bestimmungen des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes zu beseitigen.

Im Zusammenhang mit dem Pflanzenschutzgesetz wies der Gartenfachberater auf folgendes hin: Auf den chemischen Pflanzenschutz kann im Privatgarten am ehesten verzichtet werden, da im Garten keine Monokulturen, wie in der Landwirtschaft und dem Erwerbsgartenbau, anzutreffen sind und ein Schädlingsbefall nicht den Aufwand einer chemischen Bekämpfung rechtfertigt. Viel sinnvoller ist es, ganzheitlich zu gärtnern und die naturgemäßen Methoden konsequent anzuwenden. Ein Beispiel hierfür ist die Anwendung von Nützlingen zur Schädlingsbekämpfung. Mehr dazu unter www.nuetzlinge.de.

Danach kam Steffen Stein zu einem weiteren aktuellen Thema, den Frostschäden. Von Vertrocknungen bzw. Frosttrocknis sind insbesondere immergrüne Pflanzen betroffen, da sie auch im Winter Wasser verdunsten und über den gefrorenen Boden kein Wasser aufnehmen können. Besonders sind Strahlungswitterungen, bei denen die Pflanzen tagsüber auftauen und nachts wieder gefrieren, wobei der Boden gefroren bleibt und der tagsüber eingetretene Feuchtigkeitsverlust über die Wurzeln nicht ausgeglichen werden kann. Hier ist oft ein Rückschnitt bis in das gesunde Holz notwendig. Um derartige Schäden zu vermeiden empfahl der Gartenfachberater Alternativen zu frostempfindlichen Pflanzen, wie den Kirschlorbeer.